Interviews

Dr. mph. Theodor Klotz, Oberarzt der Urologie und Gesundheitsmediziner am Spital Münsterlingen, Schweiz

Sind die meisten Beschneidungen, die von Ihnen durchgeführt werden, medizinischer oder kosmetischer Natur?
Die meisten von mir durchgeführten Beschneidungen sind aus medizinischer Sicht notwendig. Es gibt zwar auch Patienten, die den Eingriff aus ästhetischen Gründen durchführen lassen, diese Fälle sind aber eher selten.
Nimmt die Zahl der kosmetischen Beschneidungen zu? Kann man von einem Trend hin zur Beschneidung sprechen?
In den letzten acht Jahren, in denen ich in diesem Bereich tätig bin, konnte ich einen solchen Trend nicht beobachten. Lediglich immer mehr Eltern, deren Kinder aus medizinischen Gründen beschnitten werden müssen, verlangen nach einer plastischen Zirkumzision, das heißt, ein Teil der Vorhaut wird stehengelassen. Diese Lösung ist für mich persönlich auch die ästhetisch ansprechendere Variante, die ich einer kompletten Beschneidung vorziehen würde.
Aus welchen Gründen lassen sich nach Ihrer Ansicht Männer beschneiden?
Mal abgesehen von einer medizinischen Notwendigkeit, z.B. bei einer Phimose (Vorhautverengung), sind oftmals die Partnerinnen verantwortlich dafür, daß sich ein Mann beschneiden läßt. Viele Frauen ekeln sich vor der männlichen Vorhaut und drängen ihren Partner, diese entfernen zu lassen.
Stimmt es, daß ein beschnittener Mann sexuell gesehen länger durchhält?
Prinzipiell ist es so, daß die männliche Eichel durch den Wegfall der Vorhaut in direkten Kontakt z.B. zum Stoff der Unterhose kommt. Durch die entstehende Reibung, wird die Reizschwelle mit der Zeit heraufgesetzt. Konkret heißt das, man wird mit der Zeit unempfindlicher gegen Reizungen der Eichel. Das kann beim Sex durchaus die Wirkung haben, daß man länger braucht, um zum Orgasmus zu gelangen. Ein Großteil meiner Patienten gibt allerdings an, keinen Unterschied zu verspüren.
Welche Risiken oder negativen Folgen kann eine Beschneidung haben?
Die medizinischen Risiken sind relativ gering. In machen Fällen kommt es vor, daß das Ergebnis nicht den Ansprüchen des Patienten an die Ästhetik genügt. Diese Probleme sind durch eine Nachbehandlung aber leicht zu lösen. Bei manchen Männern treten nach der Beschneidung allerdings auch psychische Probleme auf. Sie fühlen sich nicht mehr als vollständige Männer und leiden unter dem Fehlen der Vorhaut.
Stimmt es, daß die Zersetzungsprodukte einer bestimmten Bakterienart aus dem Smegma (Ablagerungen, die sich unter der Vorhaut bilden) Gebärmutterhals- oder Peniskrebs auslösen können?
Nach einer amerikanischen Studie, die nun aber auch schon ein paar Jahre alt ist, wurde festgestellt, daß bei beschnittenen Männern bzw. bei deren Partnerinnen diese Krebsarten weniger verbreitet waren als bei unbeschnittenen. Da sich nur bei unbeschnittenen Männern Ablagerungen unter der Vorhaut bilden können, führt man die höheren Krebsraten darauf zurück. Allerdings hängt alles sehr von den hygienischen Bedingungen ab. Bei regelmäßigem Waschen, besonders unter der Vorhaut, ist das Risiko, an einer solchen Krebsart zu erkranken, relativ gering.

Frau Knossalla
Kinderärztin in Linz am Rhein
Dr. mph. Theodor Klotz
Oberarzt der Urologie und Gesundheitsmediziner am Spital Münsterlingen, Schweiz
Prof. Rathert
Leitender Arzt an der Klinik für Urologie und Kinder-Urologie in Aachen.